Die Sauna in der Geschichte

Literatur:
DK 613.46 (471.1) Erzählungen und Zeichnungen in Archiven des Vereins für Finnische Literatur und des Nationalmuseums Juhani Aho, Kotoinen kylyni (Lastuja 11), 1905 Lauri Kuusanmki, Elmnmenoa entisaikaan, 1954 Sakari Plsi, Vanhaa ja katoavaa, 1921 Verfassers: Lektor Dr. phil. Lauri Kuusanmki

saunahaus

Die Sauna ist für die Finnen seit alters her eine Wurzel und Quelle alles Guten. Wie sich auch alles in der Welt verändern möge,wir Finnen genießen heute wie Dutzende von Generationen vor uns die Freuden der Badstube und lassen den Dampf der Badstube unsere Sorgen zerstreuen (Plsi). Noch fast bis in die letzte Zeit wurden die meisten Finnen sogar in der Sauna geboren und erblickten zum erstenmal das Tageslicht als dämmrigen Schein durch einen Spalt der Fensteröffnung dieses ruhigen Raumes. Heilung der angegriffenen Gesundheit, Beseitigung alles am menschlichen Körper haften gebliebenen Schlechten hat man in der Sauna gesucht.

"Wenn Sauna, Schnaps und Teer nicht heilen, so führt
die Krankheit zum Tode"

So lautet eine alte finnische Weisheit.
Ihrem Ursprung nach ist die Sauna natürlich nicht finnisch. Vor etwa tausend Jahren war das Baden im heißen Raum eine osteuropäische Sitte, die ackerbauenden Völker im bewaldeten, nördlichen Osteuropa schon früh angenommen haben dürften.

In Mitteleuropa erlebte die Badstube ihre Blütezeit in der zweiten Hälfte des Mittelalters, aber im Zeitalter der Renaissance trat dort ein Verfall ein; die Badstuben wurden Lasterhöhlen, in denen man Karten spielte, sich betrank und das sechste Gebot bertrat. Deshalb wurden sie mit Verboten und Reglementierungen verfolgt, und im 17. Jahrhundert verschwanden sie. Das war u. a. in Dänemark der Fall.

In Schweden gab es Badstuben auf Bauernhöfen noch im 18. Jahrhundert, In Finnland und Rußland hingegen hat die Kulturtradition der Sauna ununterbrochen von Jahrhundert zu Jahrhundert weiterbestanden. Im kalten Klima und unter den primitiven Wohnverhältnissen des Nordens behielt das heiße Dampfbad seinen Wert und seinen abhärtenden Charakter.

Reisende aus Südeuropa haben voll Entsetzen von den Badegewohnheiten der Finnen mit dem dazugehörigen plötzlichen Temperaturwechsel erzählt: Männer und Frauen saßen eine halbe Stunde oder sogar eine ganze auf der Schwitzbank in einer Hitze von 75 Grad und gingen dann hinaus, um sich bei 30 Grad Frost abzukühlen.

Der Italiener Acerbi, der in den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts Finnland bereiste, berichtet darüber und fügt hinzu, dazuweilen, wenn ein fröstelnder, in seine Pelze gehüllter Reisender in einem Gehöft einkehrte, nackte Saunabadende ohne Überstürzung sogar sein Pferd abschirrten und mit Heu versorgten oder es nötigenfalls wieder anspannten.

Zum Baden baute man schon in sehr frühen Zeiten Blockhäuser mit vier Wänden, aber sehr ähnliche, einräumige Gebäude waren auch die Bauernstube, die den Finnen zum Wohnen diente, und die Darre, wo sie ihr Korn trockneten und droschen. Sicherlich gab es bereits gegen Ende der vorgeschichtlichen Zeit auf den fortgeschrittensten Bauernhöfen getrennt Wohnstube, Sauna und Darre, aber wenn ein Neusiedler auch noch in späteren Zeiten sein Gehöft gründete, baute er oft zuerst die Badstube, in der er anfangs nicht nur badete sondern auch wohnte und sein Getreide trocknete.

Die Fischer und die Teerbrenner haben ebenfalls Badstuben gehabt, in denen sie wohnten, wenn sie fern von ihrem Heim ihrer Arbeit nachgingen. In armen Lebensverhältnissen kam es unlängst noch vor, da man ein und dasselbe einzige Zimmer zu den drei genannten Zwecken benutzte: "Ich habe selbst eine Wohnstube besucht, in der die Bewohner auch badeten sowie ihr Korn trockneten und droschen." Am Ende des vorigen Jahrhunderts wohnten in einigen Gegenden Finnlands in den geräumigen Rauchbadstuben von Bauernhöfen arme Familien, die man 'saunakestit', Ängste, oder 'saunaloiset' nannte, und zwar wohnten sie da nicht nur vorübergehend, sondern zuweilen dieselbe Familie sogar jahrzehntelang.

Wie sah die traditionelle Rauchsauna eines finnischen Bauernhofes aus,an die wir alten Leute uns noch erinnern? Ich unterlasse hier die Schilderung der ganz oder teilweise in den Boden eingelassenen "Bergbadstuben", wie arme Leute sie gehabt haben, - In Westfinnland war die bürgerliche Sauna stellenweise recht geräumig, bis zu 6 x 7 Meter groß und 4 Meter hoch, im übrigen Finnland dagegen wesentlich kleiner. Die Sauna war immer ein Blockhaus für sich, häufig aber in einer Reihe und unter einem Dach mit irgendeinem anderen Wirtschaftsgebäude, vorzugsweise der Kochhütte, von der sie dann durch einen Vorraum getrennt war, wenn nicht der offene Herd gerade im Vorraum untergebracht war. Trotz der Feuersgefahr und allen Vorschriften der Obrigkeit stand die Rauchsauna in einigen Teilen des Landes oft innerhalb des Hofes, meistens aber lag ihr Platz außerhalb davon, allerdings ziemlich nahe von diesem, höchstens hundert Schritt entfernt. Gern legte man sie in der Nähe eines Brunnens oder einer anderen Wasserstelle an.

Die Sauna ist natürlich nicht überall ganz gleich gewesen und ich erkläre hier nun einen Badestubentyp, der in früheren Zeiten vielleicht am weitesten in Finnland verbreitet war. Die Tür befand sich an der Giebelwand und der Ofen ohne einen Rauchabzug in der Ecke neben dem einen Türpfosten. Zwischen Ofen und Hinterwand hatte man die Schwitzbänke angebracht, in letzterer Zeit auf Querbalken, später wurden sie oft von Pfosten getragen oder bildeten einen aus Balken gezimmerten Aufbau. Die Schwitzbänke lagen etwa 1 Meter über dem Fußboden, ein wenig höher als die Oberfläche des Badstubenofens.

Man bestieg die Schwitzbank mit Hilfe einer Treppe; um sie herum standen Bänke, auf denen man saß, wenn man sich mit dem Badequast schlug. In alten Bauernstuben gab es aber auch ein geräumiges Malzbrett, das von der Türwand bis zur Hinterwand reichte, so da es dem Ofen und den Schwitzbänken gegenüber lag. Das Malzbrett, das man zum Trocken von Malz benutzte, lag etwa eine Elle (60 cm) höher als die Schwitzbänke.

Unter den Schwitzbnken gab es keinen Holzfußboden sondern bloße Erde. Dorthin warf man die gebrauchten Badequaste, und dort gruben die Jungen im Sommer Angelwürmer aus.

Der Ofen war aus grauem Stein ohne Lehm errichtet. Die alten Leute erklären, daß sich beim Gießen von Wasser auf die Steine Kohlengas bildete und kein guter Dampf erzielt wurde, wenn der Ofen mit Hilfe von Lehm sehr dicht gemacht wurde. Beim Heizen kam der Rauch durch die Ofenöffnung und durch die Spalten zwischen den Steinen heraus, worauf er durch die etwas geöffnete Tür und durch das im oberen Teil der Wand gemachte Fensterloch abzog.

In einigen Badstuben hatte man aus Brettern Rohre, unten mit einer schließbaren Klappe gebaut, die den Rauch nach oben ableiteten. Im allgemeinen hatte die Seitenwand ein kleines Glasfenster, aber man erinnert sich noch an solche Badstuben, in denen "Saunagäste" wohnten, die gar kein Glas, sondern lediglich eine auf- und zuzuschiebende Fensterluke hatten.

Wie gern die Finnen in der Sauna baden, geht daraus hervor, wie oft es viele von ihnen getan haben. Ich habe viele Menschen aus dem einfachen Volk gekannt, die annähernd ihr ganzes Leben jeden Werktagabend badeten, sogar ein paar alte Leute, die 364 mal im Jahr badeten, nämlich an allen Abenden außer dem Abend des ersten Weihnachtsfeiertages.

Im Sommerurlaub kann ein Freund der Sauna auch in unseren Tagen noch mehrmals am Tage baden, - Während der Perioden der schweren Arbeiten im Sommer und Herbst hat das Bauernvolk im allgemeinen öfter gebadet als im Winter. Schon im 18.Jahrhundert werden Orte erwähnt, wo man im Winter nur sonnabends die Sauna besuchte, Andererseits gibt es aus demselben Jahrhundert Schilderungen, da die häuslichen Arbeiten an den langen Winterabenden sich großenteils auf die Vorbereitung und Durchführung des Saunabades konzentrierten. In jenen Zeiten übten Ärzte und Wirtschaftler strenge Kritik an der Gewohnheit des täglichen Badens, wobei die Ärzte sie beinahe für einen der größten Übelstandes der Zeit hielten und es besonders verurteilten, daß Fieberkranke und Kleinkinder in die Sauna gebracht wurden. Es nahmen nämlich immer alle Bewohner des Hauses, wie groß auch ihre Zahl sein mochte, am Bade teil, von den Ältesten bis zu den Jüngsten - auch ein Säugling lag, in Windeln gewickelt, auf dem Schoß der Mutter und wurde dort leicht mit dem Badequast geschlagen u. gebadet, wobei der Dampf nur warm, nicht heiß sein durfte.

Auf einem Bauernhof, der viele Bewohner hatte, füllten sich die Schwitzbänke mehrmals mit Badenden, und ich habe es selbst erlebt, daß auf den Schwitzbänken einer großen bürgerlichen Sauna 15 oder noch mehr Personen auf einmal Platz fanden. Die Männer badeten im allgemeinen zuerst, nach ihnen kamen die Frauen, aber nach Bedarf badeten alte Leute oder Kinder oder die Frauen der im Gehöft wohnhaften "Saunagäste" mit ihren Kindern für sich. Die Geschlechter wurden jedoch keineswegs streng getrennt, sondern oft badeten Männer und Frauen zusammen.

Alte Leute erinnern sich noch heute daran, daß dies sogar in den Städten in Volksbadstuben der Fall war. Die Sittlichkeit kam dadurch nicht in Gefahr, denn die finnische Sauna war ein heiliger Ort, wo keine Unsittlichkeit geduldet wurde. In der Sauna schickte es sich nicht zu streiten oder zu fluchen, oder den Namen Gottes zu nennen, dort durfte man nichts Zotiges sprechen, nicht grölen, singen oder sich sonst laut benehmen. "Zu den jahrhundertealten, überlieferten Sitten der Sauna gehört ein demütiges und stilles Wesen, wie es zur Heiligung in Reinheit paßt" (Plsi).

Man glaubte natürlich auch, daß in der Sauna ein Geist wohne, der aber gutmütig sei und niemand störe, der die in der Badstube vorgeschriebenen guten Sitten einhielt. In Uusikirkko auf der Karelischen Landenge wußten die alten Leute zu erzählen, die Sauna sei deshalb ein geheiligter Raum, weil seinerzeit Maria und Josef drei Jahre in einem Baderaum gewohnt hätten (Paulaharju),

Die primäre Aufgabe des Saunabades war natürlich die Reinigung des Körpers von Schmutz, aber zugleich auch die Reinigung von Krankheiten. Die Kritiker der Sauna behaupteten zwar in früheren Zeiten, da man sich in der Badstube im allgemeinen nicht wasche, sondern ebenso rußig von da zurück komme, wie man hingegangen sei, und ein schmutziges Hemd anziehe, noch dazu auf die nasse Haut, ohne sich vorher abzutrocknen. Es ist allerdings eine Tatsache, daß heißes Wasser in den Badstuben des Landes der Tausende von Seen recht sparsam verwendet wurde - das Erhitzen des Wassers geschah übrigens in alten Zeiten mit Hilfe erhitzter Steine -, aber jedenfalls löste das Schwitzen und die Benutzung des Badequastes den Schmutz, und außerdem fiel das Ungeziefer größtenteils durch den heißen Dampf tot zu Boden. (Zuweilen hängte man das Hemd, gerade um das Ungeziefer zu vertreiben, auf eine besondere Querstange in der heißen Sauna.)

In späteren Zeiten wurde es Sitte, das Hemd jeden Sonnabend zu wechseln, und wir erinnern uns noch, was für ein Genuß es war, Sonnabends aus dem Bade mit einem sauberen Hemde bekleidet in die Stube zurück zu kommen, wo schon der Friede des nahenden Ruhetages eingekehrt war.

Was das Reinigen von Krankheiten betrifft, so will ich hier nicht die Sauna als Stätte magischer Heilkunde und als Tempel des Geisterglaubens schildern, sondern ich beschränke mich auf die Erwähnung, da man, wenn ein Kranker gebadet wurde, sich beim Werfen von Wasser auf den Ofen, wodurch man Dampf erzeugte, mit Gebeten und Zaubersprchen an die Geister wandte, und da ebenso das Schlagen mit dem Badequast einen Zaubercharakter gehabt hat - und nicht nur beim Heilen von wirklichen Kranken, sondern z.B. auch von Kindern, die viel weinten. - Schon mit dem Heizen der Sauna konnte Zauber verbunden sein. So heizte man die Badstube, wenn ein pöltzlich Erkrankter geheilt werden sollte, mit vom Wind umgeworfenen Bäumen, während vom Gewitter gespaltene Bäume in einigen anderen Krankheitsfällen als wirksam galten (G. Suolahti).

Außer von Schmutz und Krankheit befreite man sich im Saunabad auch von Müdigkeit, man wurde dadurch erfrischt, und es ist auch ganz offensichtlich, daß die Saunabesuche für das finnische Volk Erfrischung und Vergnügen gewesen sind, gleichsam "Oasen in der Wüste des Alltagslebens" (G. Suolahti).

Finnische Bauern versicherten dem oben genannten Italiener Acerbi, daß sie ohne ihre Bäder ihre schwere Arbeit nicht aushalten würden. Die Sauna erneuerte ihre erschöpften Kräfte rascher als Schlaf oder sonstige Ruhe. In der Sauna lag eine wunderbare, lebenserneuernde Kraft.

Finnische Dichter und Schriftsteller haben das Lob der Sauna gesungen, den ganzen Verlauf des Badens und die Feinheiten des Genusses in den einzelnen Phasen geschildert, sie haben von den Glücklichen erzählt, die von Natur besonders begabt sind, den Genuß des Dampfbades in all seiner Vollkommenheit aufzunehmen. Schon wenn wir uns an die Freuden und Reize der Sauna erinnern, kommt in unser Wesen ein eigenartiges, ruhiges Gleichgewicht, wo Körper und Geist ruhen, und die Welt in unserem Sinn verklärt wird. Wenn wir nur an die Sauna denken, an diese von uns heilig gehaltene Einrichtung, "flieht die Alltglichkeit und wir sprechen davon mit aufrichtigem Eifer, der auch den Alltagssinn zum Schwärmen bringt und die harten Herzen schmelzt" (Plsi). Der Genuß, den das Bad bot, wurde keineswegs dadurch vermindert, da man es mit Gästen und Nachbarn teilte und sogar ein Bettler dessen teilhaftig werden konnte. Im allgemeinen hatten in Finnland auch arme Familien ihre eigene Sauna, aber andererseits liegen aus einigen Gegenden Angaben vor, da ein ganzes Dorf in einer einzigen Badstube baden konnte, die jede Familie an einem bestimmten Abend heizte. Im Kirchspiel Jms hatten zwei Nachbargehöfte vor einigen Jahrzehnten jedes seine eigene Sauna - sie lagen beide an einem vorbeifließenden Bach, und in ihnen badete man jeden Werktagsabend -, aber auerdem hatten die Bauernhöfe eine gemeinsame Sonntagssauna, Diese lag genau an der Grenze der beiden Gehöfte, und darin badete man am Sonntag zusammen. Mit den großen Sonntagsstunden des Lebens war das Baden in der Sauna ebenso wesentlich verbunden wie das Festmahl, und so empfing man im Dampf, sich mit dem Badequast schlagend, die Familienfeste und die jährlichen Feste, an denen ein Lebensabschnitt oder eine Jahreszeit in etwas anderes über ging und alles, was man tat, eine Färbung vom Vorbild eine derartige Badstube.